Fahrt auf den Mont Ventoux (Jürgen Basler am 20.5.2013)

Wie auch im vergangenen Jahr fuhr ich mit meinen beiden Freunden in die Cevennen (Frankreich) um eine Woche unbeschwert Motorrad zu fahren. Im letzten Jahr wollte ich schon mein Rennrad mitnehmen um auf den Mont Ventoux(1912m) in den Provenzalischen Voralpen zu fahren. Das fanden meine Freunde nicht gut. In diesem Jahr war mir das egal und ich bin auf den Berg gefahren.

Dieser Berg ist in diesem Jahr Teil der Tour de France. Und kein geringer als Contador hat über den Anstieg von der Nordwestseite gesagt, er sei hart, lang, steil und der eisige, starke Wind macht allen mächtig zu schaffen.

Im Vergleich zur flachen Südseite fällt der Mont Ventoux nach Nordwesten und vor allem nach Nordosten hin deutlich steiler ab. Das ganze Jahr hindurch muss man allerdings mit einem starken und besonders im Sommer sehr kalt wirkenden Wind, dem Mistral, rechnen. Das sollte ich noch deutlich zu spüren bekommen.

Den 22 Km langen Aufstieg zum Berg startete ich in Malaucene, einer Stadt die von Radfahrern aus allen Regionen Europas bevölkert war. Die Straßencafes waren morgens schon voll besetzt. Alles Verrückte! Genau wie ich!
Nachdem ich mir noch einen Helm(zu Hause vergessen) und Beinlinge gekauft hatte ging es los. Fahrrad aus dem Auto, Klamotten angezogen, nicht zu viel, es war ja warm und los ging es.
Ich hatte mir den nordwestlichen Anstieg gewählt, der, so sagt man, der steilere Anstieg ist.
Anfangs fuhr ich alleine. Nach kurzer Zeit gesellte sich eine Gruppe TriathletenInnen aus Mannheim dazu auf die ich auffuhr. Kurz geschnackt und schon war einer mehr in der Gruppe. Nach 2 Kilometern war mir aber das Tempo zu langsam. Ich bin ja keine Bergziege, aber mein Tempo muss ich fahren. Also verabschiedete ich mich aus der Gruppe und weiter ging es. Der Anstieg ist schon recht steil und da ich noch nicht richtig warm war, war mein Puls entsprechend hoch. Nachdem mein Körper sich an die Dauerbelastung gewöhnt hatte, pendelte sich der Puls bei ca. 135 ein und ich konnte eine relativ gleichbleibende Belastung auf die Pedale bringen. Die vielen knackigen Rampen sorgten für zusätzliche Belastungen, die schon hart an der Grenze waren. Die normale Übersetzung meines Rades 11-25 ist für so einen Trip schon hart aber dank vorne 3fach ließ sich alles treten. Ab und zu konnte man den schönen Ausblick in die Landschaft genießen. Es war klares Wetter und im Nordwesten konnte man die Alpen mit den schneebedeckten Gipfeln sehen. Ein Ausblick den man nicht vergisst.
Ab und an kamen echte Bergziegen an mir vorbei mit aufmunternden Sprüchen. Das tut unendlich gut.
Dann endlich, die Bewaldung war zu Ende und der Blick auf den Gipfel war frei. Es lag aber noch eine gewaltige Strecke dazwischen. Die Baumgrenze liegt bei ca. 1100 m.
Es wurde immer kälter, 4° am Gipfel, der Wind wurde stärker, die Hände kalt trotz Fingerhandschuhen und der Rotz lief ununterbrochen aus der Nase. Aber weiter ging es stetig und ohne Probleme. Auf dem letzten Steilstück schoben viele ihr Fahrrad oder saßen an der Seite, weil sie der Mut oder die Kraft verlassen hatte. Einige wurden auch von Begleit-fahrzeugen aufgenommen. Ich fuhr immer weiter und konnte auf den letzten 5 KM viele Fahrer einholen und überholen. Langsam kroch trotz der Belastung die Kälte in den Körper. Der eisige Wind trug seinen Teil bei. Gorejacke drüber damit wenigstens der Wind nicht mehr so durchging. Dann endlich die letzten 2 KM mit steilem Anstieg. Meine Beine verrichteten ihre Arbeit ohne zu Mucken. Die Ernährung unterwegs war wohl doch gut. Dann die letzte Kurve - Fotografen, Radfahrer alle standen am Ende der kurzen Graden vor dem Gipfel und feuerten alle an, die den Punkt erreicht hatten. Jeder ließ sich ablichten und dann ging es noch einmal auf das Rad um die letzten 200 Meter bis zur Gipfelstation zu fahren. Eiseskälte und ein wahnsinniges Glücksgefühl machten sich um und in meinem Körper breit. Ich war oben! Noch ein paar Fotos geschossen, ablichten lassen, Erfahrungen mit anderen Radlern ausgetauscht. Ich wurde von einigen nach meiner Zeit gefragt und habe gehört, die Zeit sei gut für den Aufstieg von der Nordwestseite.
Das ließ meine Glückshormone noch mehr in Wallung bringen.
Die Kälte nahm langsam mehr und mehr von meinem Körper Besitz. Also Mütze unter den Helm, Beinlinge, Armlinge und Jacke an und dann ging es an den Abstieg auf der südöstlichen Seite. Der Mistral war noch stärker geworden und die ersten knapp 700 Höhenmeter auf dem Rad wurde ich hin und her geschubst. Rad rollen lassen? Das ging gar nicht. Die Bremsen fest im Griff und angezogen konnte ich mich nur vorsichtig rollen lassen. Die Schläge, die der Wind von allen Seiten verteilte, machten eine schnelle Abfahrt unmöglich. So ging das bis zur Baumgrenze. Die Kälte war unerträglich und mein Rad zitterte mit mir im Einklang, so dass ich nicht wusste ob mein Rad instabil ist oder ich so doll zitterte, dass mein Rad gar nicht anders konnte als mit zu vibrieren.
Den anderen Abwärtsfahrenden ging es nicht anders. Einige stiegen vom Rad und schoben ihr Rad, dicht am Berg um nicht auf der anderen Straßenseite in den Abhang zu stürzen. Höllentour!!! Dann endlich die Baumgrenze. Der Wind hatte nicht mehr den Einfluss und das Rad konnte etwas schneller rollen. Aber die Kälte, die von meinem Körper Besitz ergriffen hatte wollte nicht weichen. Nicht sehr schnell aber stetig ging es bergab und ganz langsam wurde es auch wärmer. Plötzlich war auch der Wind fast weg, endlich die Bremsen los und rollen. Dann endlich unten angekommen. Die Rücktour nach Malaucene war dann sehr schön und entspannt. Die Landschaft sehr schön, seichte Hügel, ein Col mit knapp 600 Höhenmetern lag noch dazwischen und der sorgte dann endlich dafür das meine Körpertemperatur wieder normal wurde. In Malaucene noch mit einem Mt. Ventoux Finisher Shirt belohnt und ab ging es zurück nach St. Julien de Peyrolas um noch ein bisschen an der Ardeche Mopped zu fahren.

Die Tour findet ihr unter dem Track

http://tracks.just4sports.de/map.do?fileId=ycfherorgdcibdbf

 

Läßt sich übriegens auch mit dem Motorrad gut fahren!!!!!!

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